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Steuerrecht Schloss Nordkirchen e.V.

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(online-) Vortrags-
Veranstaltung 32 - 15.11.2022

Aktuelles zum Steuervollzug - Chancen und Herausforderungen

Die rasanten Veränderungen im Bereich des flexiblen Arbeitens, die zu erwartenden Neuerungen durch das Jahressteuergesetz 2022 und auch die Grundsteuerreform stellen die Finanzverwaltung vor große Herausforderungen. Aus diesem Grund widmete das Forum Steuerrecht Schloss Nordkirchen e.V. seine 32. Vortragveranstaltung dem Thema "Aktuelle Entwicklungen im Besteuerungsverfahren". Mit Frau Dr. Katrin Kirchner, Herrn Jörg Klockner und Herrn Mathias Grootens konnte das Forum Steuerrecht drei exzellente Vortragende aus der Praxis gewinnen, die am 15.11.2022 einen Einblick in aktuelle Aspekte des Steuervollzugs gaben. Unter anderem die beeindruckende Zahl von 350 online zugeschalteten Teilnehmenden zeigte, welch große Bedeutung das Thema derzeit für alle mit dem Steuerrecht befassten Berufsgruppen hat.

 

Was brauchen wir für einen wirksamen Steuervollzug? Welche Veränderungen ergeben sich durch flexibles Arbeiten? Welche Ideen und Handlungsfelder gibt es? Mit diesen drei Leitfragen startete Dr. Katrin Kirchner, Dienststellenleiterin des Finanzamts Detmold, in den Vortragsnachmittag. Es sei eine Entwicklung im Sprint gewesen: Vor Beginn der Corona-Pandemie wurde flexibles Arbeiten kaum gelebt, heute ist flexibles und hybrides Arbeiten tägliche Realität im Finanzamt. Ein Ziel, das schon lange angestrebt wurde, ist im Schnellschritt greifbar worden: Die Arbeit komme zum Personal und die Finanzverwaltung rücke damit deutlich zusammen, betonte Frau Dr. Kirchner. Positionen im Finanzministerium und der OFD würden auch bei großen Entfernungen zum Wohnort deutlich attraktiver. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei zweifelsfrei einfacher geworden. Andererseits bedeute Freiheit zugleich Verantwortung - sowohl für Führungskräfte als auch für die im Homeoffice tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Alle Beteiligten dürften nicht aus dem Auge verlieren, dass der Steuervollzug erfolgreich und wirksam funktionieren müsse. Rahmenbedingungen dafür seien u.a. eine gute Organisation, eine transparente Kommunikation, gut eingearbeitete und motivierte Mitarbeitende, die als Team agieren und zufrieden sind, ausreichendes Personal, aktive Führungskräfte sowie gute technische Voraussetzungen. Hier gelte es Handlungsfelder zu erkennen und Chancen gemeinsam zu nutzen. Auch wenn in einigen Bereichen noch Herausforderungen auf uns warten, zog Frau Dr. Kirchner am Ende ihres vielseitigen und interessanten Vortrags ein eindeutig positives Resümee der jüngsten Entwicklung.

 

"Die GKBp von morgen, wo geht der Weg hin?" lautete der Titel des anschließenden Vortrags von Jörg Klockner, Dienststellenleiter des Finanzamts für Groß- und Konzernbetriebsprüfung Düsseldorf I. Er ist seit vielen Jahren im Bereich der Außenprüfung tätig und verfügt damit über einen außerordentlich fundierten Blick auf die Prüfungsdienste der Finanzverwaltung NRW.

Jörg Klockner startete mit den aktuellen Änderungen der Abgabenordnung, die aus seiner Sicht viele positive Anreize für Finanzverwaltung und Unternehmen bringen und zur Beschleunigung des Verfahrens beitragen. Außerdem passe der Gesetzgeber die AO mit diesen Neuerungen an das moderne Arbeiten an. Dies mache deutlich, dass es auf dem eingeschlagenen Weg kein Zurück mehr gebe. Ein bedeutender Schritt sei zudem die geplante Erprobung alternativer Prüfungsmethoden, die bis zum 30.06.2029 in eine Testphase gehen soll. Nutzt ein Unternehmen ein innerbetriebliches steuerliches Kontrollsystem (Tax CMS) und stellt es der Betriebsprüfung zur Verfügung, sind zukünftig Erleichterungen für Folgeprüfungen möglich. Problematisch ist allerdings nach Auffassung von Jörg Klockner, dass es bisher keine einheitliche Standardisierung für derartige Tax CMS gibt.

Anschließend widmete sich Jörg Klockner der wachsenden Digitalisierung in der Prüfung. Diese erfordere eine hohe digitale Kompetenz. Die Finanzverwaltung brauche hierfür dringend Fachleute und es sei nicht undenkbar, künftig mit Wirtschaftsinformatikern in Prüfungen einzutreten. Immer noch schwierig gestalte sich außerdem der Datenaustausch mit den Firmen. Hier sei allerdings eine entsprechende Plattform in Arbeit. Auch die Veränderung der Betriebsgrößenklassen werde noch viele Fragen aufwerfen.

Insgesamt lautet Jörg Klockners Fazit für die GKBP: Sie wird moderner und noch digitaler, sie wird sich neu organisieren müssen und vor allem wird die GKBP weiter attraktiv bleiben!

 

Als dritter Vortragender referierte Mathias Grootens als besonderer Kenner der Materie über ein sehr komplexes und hochaktuelles Thema: die Grundsteuerreform. Er war lange Dozent in Nordkirchen, ist derzeit Sachgebietsleiter im Finanzamt Dortmund-Unna und befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Bewertungsrecht.

Beginnend mit dem Urteil des BVerfG vom 10.04.2018, das Ausgangspunkt des Reformprozesses war, schilderte Mathias Grootens im ersten Teil seiner Ausführungen den zeitlichen und gesetzlichen Rahmen der Grundsteuerreform, ihre unterschiedliche Umsetzung in den Bundesländern, die Notwendigkeit der Erklärungsabgabe, die Wahl des Bewertungsverfahrens im Bundesrecht sowie die Systematik von Ertragswert- und Sachwertverfahren. Nach diesen fachtheoretischen Grundlagen lenkte Mathias Grootens den Blick auf aktuelle Praxisfragen im Zusammenhang mit der Grundsteuerreform: Wie wird der Bodenwert ermittelt? Wie erfolgt der Ansatz der Miete im Ertragswertverfahren und wie ist eine Kernsanierung von einer üblichen Instandhaltung abzugrenzen? Mit Hilfe von Vergleichsrechnungen für unterschiedliche Grundstücke erläuterte er die Wirkungen der neuen Regelungen überaus anschaulich. Zum Abschluss beleuchtete Mathias Grootens noch einen in der Praxis sehr wichtigen verfahrensrechtlichen Aspekt. Gemäß § 266 Abs. 3 BewG gilt ein Verwertungsverbot bei der Einheitsbewertung, das darauf abzielt, die Steuerehrlichkeit bei der Abgabe der Feststellungen für die Grundsteuerwerte zu fördern.

Es bleibe auf jeden Fall spannend, betonte Mathias Grootens zum Abschluss seines äußerst informativen Vortrags. Ganz sicher werde in den nächsten Jahren noch eine Fülle an Rechtsprechung auf uns zukommen.

 

Details zu den Vorträgen sind den jeweiligen Präsentationen zu entnehmen, die in der folgenden Übersicht zum Download bereitstehen.

 

Begrüßung:

Prof. Dr. Christoph Uhländer
HSF NRW - 1. Vorsitzender FORUM Steuerrecht

1. Vortrag

Aktuelles zum Steuervollzug aus Sicht eines Festsetzungsamtes

Frau LRDin Dr. Katrin Kirchner (Dienststellenleiterin FA Detmold)

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2. Vortrag

Aktuelles zum Steuervollzug aus Sicht eines Prüfungsamtes

Herr LRD Jörg Klockner (Dienststellenleiter FA GKBp Düsseldorf I)

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3. Vortrag

Rechtliche Ausgangslage zur Grundsteuerreform

Herr RR Mathias Grootens, Sachgebietsleiter FA Dortmund-Unna

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Ort:

Online-Übertragung

Zeit:

Dienstag, 15.11.2022

Herr RR
Matthias Grootens

Sachgebietsleiter
FA Dortmund-Unna

Frau LRDin
Dr. Katrin Kirchner

Dienststellenleiterin
FA Detmold

Herr LRD
Jörg Klockner

Dienststellenleiter
FA GKBp Düsseldorf I